Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

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EWoesner
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Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

Beitrag von EWoesner » 04.07.2021, 14:42

Hallo zusammen,

irgendwo hatte ich mal einen Thread gefunden, indem es um Unterpflanzung ging, und dieses Thema hier hätte ich dort gerne hinzugefügt. Aber ich habe ihn nicht wiedergefunden, und zum Glück ist das Jiaogulan ist auch eine eigene Empfehlung wert. Bislang hatte ich mir irgendwoher notiert gehabt, dass Leute mit Begonien, Geranien, fleißigem Lieschen, Tagetes und Fuchsien ihre ETs unterpflanzen, und außerhalb des Ganzjahresfäßes, wo die Düngerkonzentration geringer ist, auch mit vielem anderem.

Nun möchte ich das Jiaogulan (gynostemma pentaphyllum) vorstellen, das hierzulande unter dem Namen »Kraut der Unsterblichkeit« vermarktet wird und seit ein paar Jahren ab April/Mai auch im Kräutersortiment regulärer Garten- oder Baumärkte auftaucht. Die Pflanze war ursprünglich fast nur bei Rühlemann's zu bekommen (kraeuter-und-duftpflanzen.de), und dort ist sie meines Wissens auch am besten beschrieben.

Hervorzuheben ist meines Erachtens, dass sie den kräuter-konsumfreudigen Gärtner widerstandsfähiger, audauernder und stresstoleranter macht; zumindest ist das meine persönliche Erfahrung. Das ist mein Urteil nach ein paar Jahren des Nasch-Selbstversuchs durch Vergleich von Phasen des Verzehrs und des Nichtverzehrs – und ich würde das nicht allein auf die Jahreszeit schieben, sondern eben auf die in der Pflanze reichlich vorhandenen ginseng-ähnlichen Stoffe. Geschmacklich hat die Pflanze eine Bitterkeit mit einer gewissen Süße. Letzteres gilt allerdings nur für die im Handel erhältlichen Auslesen, aus Samen gezogene Pflanzen sind i.d.R. einfach nur bitter. Ich liebe diese Bitterkeit mit der Süße, aber nur circa 30% meiner Besucher; man muss bitter einfach mögen. Aber Vorsicht: Mit dem Konsum ist am Ende des Sommers beim Einräumen und Rückschnitt nicht zu übertreiben, sonst ist man davon das nächste halbe Jahr nichts mehr! Tipp: Immer ein paar gehackte Blätter im Salat verstecken; zusammen mit Japanischen Wasserpfeffer auch großartig unter Käse!

Ich selbst kultiviere und nutze Jiaogulan seit 10, 20 Jahren – ebenso meine familiären "Außenstellen" –, und drei Standorte haben sich als sehr gut erwiesen: 1) Als Untermieter in einem sehr feuchten Gefäß (z.B. mit Japanischem Wasserpfeffer), 2) in einer gut durchfeuchteten Ampel im Halbschatten bis Schatten, und eben 3) in der Untermiete bei Engelstrompeten. Pralle Sonne den lieben langen Tag über und lange Phasen der Trockenheit sind eher zu vermeiden. Jiaogulan ist mehr eine Pflanze für die zweite oder dritte Reihe oder für "dadrunter". Es ist eben eine Unterholz-Pflanze, die gerne geschützt steht, und die ihre Triebe überall entlang schiebt und dabei verwurzelt. Beim Verwurzeln ist sie allerdings unenthusiastischer als Erdbeeren und in ihrer Struktur ist sie deutlich fragiler als z.B. Efeu; mit einer dauerhaften Invasion in den Garten ist nicht zu rechnen, und eine normale Auspflanzung wird eher scheitern. Ihre angebliche Winterhärte kommt nur gut geschützt zum Tragen, etwa wenn ein Trieb in einer Ritze zwischen Pflaster und Hauswand verwurzelt. Bei manch einem Pflasterstein gab es für mich im Folgejahr schon mal eine Überraschung! Auch an solchen Stellen bereitet Jiaogulan keinerlei Probleme, da die Pflanze eher zart ist.

Vermehrt wird durch Absenker. Auf zweierlei Arten bringe ich die Triebe zum Verwurzeln, da sie es frei liegend allenfalls bei unbewegter Auflage eigenständig (aber unzuverlässig) tun und ansonsten nur in dunklen, feuchten Ritzen gerne wurzeln, z.B. unter einem Topf oder Kasten. Daher muss nachgeholfen werden. Habe ich einen Trieb, der mit so 30cm oder lieber mehr auf dem Erdreich einer ET o.ä. liegt oder sich dorthin führen lässt, so grabe ich ihn 1) entweder komplett ein, so dass nur die Blätter aus dem Boden ragen, oder ich schlage 2) Wellen, so dass der Arm immer mal wieder aus dem Boden auftaucht, aber bei der Blattachsel wieder im Erdreich verschwindet. Der Arm muss gut gegen Bewegung durch Wind etc. oder gegen Verschwemmung beim Gießen fixiert werden, entweder durch ein X aus Holzstäbchen oder bequemer und zuverlässiger (und da die Pflanze eh gerne unter Steinchen wurzelt!) mit Steinen. Je feuchter die Erde ist, desto schneller geht es. Auch der Frühsommer scheint besser zuklappen, wen wundert es. Insgesamt würde ich dem Trieb aber ein paar Wochen geben, bevor ich ihn abtrenne. Immer nur den Arm "verbuddeln", nie die weiche Triebspitze (also die vorderen 15cm)! Rankärmchen sind vor dem Versenken zu entfernen. Das Entfernen (Konsumieren) von Blättern fördert die Verzweigung, daher habe ich bei längeren Absenkern gerne vorneweg schon einmal ein, zwei Blättchen weggenascht.

Anbei ein paar Bilder; wo Blätter etwas schlapp wirken, habe ich den Arm heutemorgen abgetrennt. Einmal sieht man den neu in die Ritze an der Hauswand geführten Arm, einmal die Pflanze zusammen zusammen mit Japanischen Wasserpfeffer und Zimmerknoblauch, und ansonsten unter ETs. Am schönsten ist die unter der Goldkrone etablierte Pflanze, die den Boden dort gut gegen Austrocknung schützt. (Bei meiner Erde unter den ETs bitte nicht wundern; hier habe ich ja wegen der Sache mit den gelben Faulfliegen eine Privatmeinung hinsichtlich des Substrats).

So, und jetzt noch einmal die Botschaft in wenigen Worten: Jiaogluan unter der Engelstrompete verbuddeln, Stein druff :smiley_emoticons_biggrin: , und wenn die Pflanze dann gut in alle Richtungen treibt, nach Belieben konsumieren. Die ideale Unterpflanzung für eine ET. Viel Freude damit!

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Re: Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

Beitrag von Annegret » 05.07.2021, 10:12

Danke für den Tipp!
Ich hatte das Kraut mal in einer Gärtnerei probiert, nur ein Blättchen.
Ich fand es sehr bitter und habe die Pflanze aus dem Grund nicht gekauft.
Aber als Unterpflanzung scheint sie ideal zu sein.
Liebe Grüße aus Hamburg

von Annegret

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Re: Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

Beitrag von Heidi » 05.07.2021, 14:35

Annegret, da haste recht, schmeckt fürchterlich :smiley_emoticons_doh:
Horst hat die jedes Jahr hinter seinem GWH hängen, er mag das Gestrüpp :lachen13
Er kauft sich jedes Jahr wieder ein Töpfchen und lässt sie rumwuchern :smiley_emoticons_lachtot:
Hab ich einmal in meinen Salat geschnippelt, der war nicht mehr essbar :lachen17
Servus sagt die Bayern-Heidi 
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Re: Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

Beitrag von Annegret » 05.07.2021, 18:44

Liebe Heidi, ich mußte so lachen, als ich deinen Beitrag gelesen habe.
Hast du es nicht bis nach Ingolstadt gehört?

Ich werde mir mal so ein 'Gestrüpp' kaufen und bei den ETs einpflanzen.
Essen werde ich das Zeugs auf keinen Fall, obwohl es ja wohl gewisse gesundheitliche Vorzüge hat.
Vielleicht werde ich ja unsterblich? :smiley_emoticons_coolnew: :smiley_emoticons_coolnew:
Da wären bestimmt viele in meiner Umgebung nicht mit einverstanden. :smiley_emoticons_pfeif2: :smiley_emoticons_biggrin: :smiley_emoticons_biggrin:
Liebe Grüße aus Hamburg

von Annegret

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Re: Unterpflanzung von ETs mit Jiaogulan (sog. »Kraut der Unsterblichkeit«)

Beitrag von EWoesner » 08.09.2021, 19:55

Huch, so viele gut gelaunte Komemtare auf meinen Post. *lach*

Doch, doch, Salat geht klar. So max. 10 Blättchen auf nen großen Salat, und dann zusammen mit den anderen Kräutern zerkleinern, dann geht das unter. Nur nicht die alten Blätter nehmen, sondern die mittelgroßen. Sogar meine Partnerin, die so gar nicht auf das Zeug steht, findet es auf diese Weise in Ordnung, und ich kann einen Beitrag zu an ihrer Untersterblichkeit leisten. *grins*.

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